Le concert – Radu Mihaileanu

Raphaël Rück – Die neuste Arbeit des rumänisch-französischen Regisseurs Radu Mihaileanu strahlt echte Lebensfreude aus und zeugt von einem ausgeprägten Flair für östliche Kulturen und Menschen. Das Zusammentreffen französischer Grössen (François Berléand, Miou-Miou und Mélanie Laurent) auf ein paar in ihren Breiten nicht weniger bekannte russische Filmstars (Alexeï Guskov, Dimitri Nazarov) sorgt für ein prächtiges Feuerwerk an Emotionen.

Hausmeister im Moskauer Bolschoi-Theater, stösst Andreï Filipov (Alexeï Guskov) während seiner Putzarbeiten auf ein Fax. Das Pariser „Théâtre du Châtelet“ lädt zu einem Konzert in die Lichterstadt ein. Andreï hat seit seiner Absetzung während der kommunistischen Ära kein Orchester mehr dirigiert. Er packt das Fax ein, löscht das dazugehörige E-Mail und beschliesst an seiner ruhmreichen Dirigentenvergangenheit anzuknüpfen. Mithilfe seines Kumpanen Sacha Grossmann (Dimitri Nazarov) und eines frankophilen Apparatschik (Valeri Barinov) erweckt er sein ehemaliges Ensemble wieder zum Leben.

An der Seine bangt man unterdessen um das Renommee des „Théâtre du Châtelet“. Für das bevorstehende Konzert erfüllt der Direktor (François Berléand, DIE KINDER DES MONSIEUR MATHIEU) den Russen jeden Wunsch. So wird auch die französische Starviolinistin Anne-Marie Jacquet (Mélanie Laurent, INGLORIOUS BASTERDS) für eine Teilnahme als erste Geige angefragt. Glücklicherweise für den Direktor nimmt diese das Angebot an, obwohl sich ihre Agentin (Miou-Miou) aus schleierhaften Gründen heftig dagegen auflehnt.Die fröhlich-bunte Bande aus Russland packt also die Koffer und fliegt nach Paris, um sich dort als Bolschoi auszugeben. Ein gutmütiger Schwindel, der vielmehr als nur Karriereträume birgt und das Gelingen des Konzerts bis zur letzten Minute offen lässt.

Das neue Werk von Mihaileanu, der schon mit der Tragikomödie GEH UND LEBE (VAS, VIS ET DEVIENS) das Lob der Kritiker erntete, überzeugt auch dieses Mal durch einen vielschichtigen Erzählstil, der zugleich Lachen und Weinen macht. Der bewusst inszenierte Gegensatz zwischen dem heruntergekommen, nostalgischen Moskau und dem leuchtenden, modernen Paris findet sich auf jeder Ebene des Films wieder. So sorgt auch die Begegnung der slawischen Temperamente mit den vernunftgesteuerten Europäern für ein paar köstliche Szenen.In ihrer Rolle als reife Virtuosin steht die französische Newcomerin Mélanie Laurent den „grandes dames“ des französischen Films in nichts nach. Sie bildet mit Alexeï Guskov ein wahrhaftiges Erfolgsteam. Besonders rühmenswert sind ebenfalls die Laiendarsteller der Zigeunergruppe, deren freudiges Chaos mehr als ein Zuschauerherz erobern wird.Wer einen Musikfilm erwartet, wird leider enttäuscht werden. Dennoch spielt die Musik im Film eine aktive Rolle. Ihr Komponist Armand Amar bezeichnet sie sogar als „Motor der Erzählung“. Er wurde für seine Arbeit im LE CONCERT mit dem César für die Beste Filmmusik ausgezeichnet.

Radu Mihaileanu, der sich weder in Rumänien noch in Frankreich ganz zuhause fühlt, ist es ein weiteres Mal gelungen, seine Bi-Kulturalität in ein Meisterwerk umzusetzen. Der Film überzeugt nicht nur durch seine Authentizität, sondern vor allem durch eine anhaltende Spannung und zahlreichen Überraschungen.

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