Die Vaterlosen – Marie Kreutzer

Raphaël Rück – Ein Landhaus in der grünen Steiermark, das früher Heim einer Kommune war; junge Leute, die irgendwie verwandt, aus allen Himmelsrichtungen anreisen: Sie sind gekommen, dem Vater die letzte Ehre zu erweisen.

Die Vaterlosen

Angetrudelt kommen sie aus Wien, München, Berlin: Mizzi, Vito, Nikki und die fast vergessene Kyra (Andrea Wenzl). Den sozusagen “Stammesvater” treffen sie tot an, nur Nikki (Philipp Hochmair) war noch rechtzeitig da und musste sich von seinem Erzeuger noch anhören, dass er ein schlechter Arzt sei… Vito (Andreas Kiendl), von Reue erfüllt, versucht hartnäckig dem Bruder diese letzten Worte zu entlocken, doch der bleibt stumm. Auch bei Mizzi, der jüngsten im Clan, kriselt es. Als Letztgeborene wohnt sie noch bei den Eltern und das plötzliche Auftauchen einer neuen Schwester überrumpelt sie völlig. Wieso hatte sie noch nie von ihr gehört? Warum war sie weggezogen?

Die Geschwister, biologisch gesehen eigentlich Halbbrüder und -schwestern, wobei die Verwandtschaftsgrade höchst unübersichtlich bleiben, sind mit oder ohne Partner angereist, kommen mehr oder weniger gut aus und haben verschiedene Erwartungen und Zukunftsvorstellung, vor allem was das Haus betrifft. Anna, des verstorbenen Hansens letzte Frau, lässt sich nicht sagen, dass das Haus verwahrlost sei und auch sonst bleibt sie schweigsam, wenn man sie nach Vergangenem fragt.

Marie Kreutzer spannt ein komplexes Beziehungsnetz zwischen acht Hauptdarstellern und anderen Nebenfiguren. Die Geschichte handelt von familiären Bindungen und Liebesbeziehungen im Zeitalter der Moderne. Die Regisseurin ist selber auch nicht in einer Kommune aufgewachsen, vielmehr benutzt sie diese als Vorwand, um verschiedene mehr oder minder gesunde Beziehungsmuster auszuloten. Ähnliche Verhältnisse sind beispielsweise in einer Patchwork-Familie vorstellbar.

Die Farbpalette mutet eine gewisse Unbeschwertheit an und überhaupt wird nicht wirklich klar, warum diese Geschichte erzählt werden muss: zu zahlreich sind die Erklärungsansätze, zu verstrickt die Plots. Die Rückblenden erinnern eher an Werbespots und das ganze ist in ein pastellfarbenes Licht getaucht, dass meiner Ansicht nach, ein bisschen zu sehr in die momentan höchst trendige Vintage-Mode passt. Dennoch, die Bilder sind gekonnt komponiert und sind schön anzusehen. Die Musik ist beschwingend und auch die Kostüme lassen allerlei Erinnerungen an die 70er-/80er-Jahre wieder wach werden.

Ein Debütfilm, in dem vor allem gute österreichische und deutsche Theaterschauspieler glänzen.

  • Dauer: 104 Minuten
  • Regie: Marie Kreutzer
  • Darsteller: Andrea Wenzl, Philipp Hochmair, Andreas Kiendl
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