Soldier / Citizen (בגרות לוחמים) by Silvina Landsmann

Junge Soldatinnen und Soldaten stehen kurz vor dem Abschluss ihres Militärdienstes und wollen in drei Intensivwochen die israelische Hochschulreife absolvieren. Eyal, ihr Sozialkundelehrer, um die 50, besonnen und Farbe bekennend – die Palästinenser sollen ihren Staat gründen dürfen – konfrontiert sie mit den großen israelischen Fragen und entfacht emotionale Diskussionen: Wie kann sich ein Staat gleichzeitig als jüdisch und demokratisch definieren? Wieso müssen Ultraorthodoxe und Muslime keinen Militärdienst leisten? Wieso haben nicht alle Einwohner Israels die gleichen Rechte?

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Still aus “Soldier/Citizen”

Israels Antwort auf die Aufsässigen war lange Zeit die Unterdrückung, Umzingelung, Kolonisierung. Scheissstaat, meint ein Teilnehmer. Auswandern sei die Lösung. Er nennt die USA, wo sein Onkel lebt oder die Schweiz. Dort gäbe es keine Armee und Juden könnten in ihrer Community glücklich leben. Lustig. Ich würde ihm gerne ein bisschen von meiner Inselschweiz erzählen, die am liebsten eine hohe Mauer um ihre Grenzen errichten würde. Andere Verhältnisse, sicherlich, menschenrechtlich alles ok, aber schaut man genauer hin…

Nazi-Juden

Ein kippatragender Teilnehmer erzählt von einem Vorfall. Eine Zivilistin, habe ihn Nazi genannt. Er ist sichtlich berührt. Niemand wird gerne Nazi genannt. Das Wort ist bald ein Jahrhundert alt und findet dennoch immer wieder Anwendung. Ich glaube nicht, dass die Neo-Nazis von heute viel mit den damaligen Nationalsozialisten gemeinsam haben. Auch nicht, dass man die willkürlich selektierenden Kater Holzig-Türsteher Nazis nennen sollte, wie ich es mal in einem Facebook Post tat. Sogar mein Professor von Großvater soll mal in einem Wutanfall das Wort an die Tafel geschrieben haben. Nazi wird eindeutig inflationär benutzt. Dennoch mag es verletzen, gerade einen Juden. Leider ist an provokanten Wörtern auch oft was dran. Was in gewissen israelischen Siedlungen passiert erinnert an die Judenghettos. Die Mauer erinnert an eine andere. Ideologie gegen Ideologie. Hass gegen Hass. Eyal ist zuversichtlich. Die Lösung wird kommen. Momentan seien die Gemüter nur etwas wegen des Libanonkriegs (2006) erhitzt.

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Silvina Landsmann

Die Frau hinter der Kamera

Der Zufall wollte, dass ich vor zwei Jahren Silvina Landsmann begegnet bin, während sie gerade mit einem französischen Kollegen das Programm der Berlinale besprach. Ich konnte nicht widerstehen und verriet ihr meine Geheimtipps. Sie erzählte mir von ihrem Studium in Paris, ihrem 2012 im Forum präsentierten Film und dass sogar die Cahiers du Cinéma darüber berichtet hätten. Ihrem Rat folgend habe ich damals versucht, den Film in der deutschen Kinemathek zu sichten. Nicht verfügbar, hieß es. Jetzt hat sie ihn online gestellt. Ergo: Gucken, mitdenken, mitreden. Et bon vent à toi, Silvina!

Hier gehts zum Film: http://soldier-citizen.cominofilms.com

Israel 2012, 68 min

Regie, Kamera, Produktion: Silvina Landsmann

Originaltitel: Bagrut Lochamim

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