Un château en Italie (DVD)

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Louis Garrel und Valeria Bruni Tedeschi

Das Leben in Un château en Italie scheint flüchtig und brüchig, wie das langsam zerfallende Schloss der Familie Rossi Levi in Norditalien, der an AIDS erkrankte Sohn Ludovic (Filippo Timi) und das fragile Embryo im Bauch der Tochter Louise (Valeria Bruni Tedeschi).

Das darstellen, was sich nicht einfangen lässt – dieser unmöglichen Wette willen, lassen sich die verwackelten Bilder und grell beleuchteten Aussen-Sets, die teilweise an Amateurvideos erinnern, leicht in Kauf nehmen. Film scheint noch heute das geeignetste Medium, um das Ephemere des Daseins einzufangen. Und so strömen, besser rauschen, die Szenen an Jeanne Lapoiries Kamera vorbei und erwecken den Eindruck echten Lebens.

Das Drehbuch wiederum, das aus der Feder von Valeria Bruni Tedeschi und Noémie Lvovsky stammt, könnte mit seinen vielwechselnden Schauplätzen zwischen der italienischen Heimat und dem Pariser Wohnsitz der Familie verwirrend wirken. Könnte, wären die zwei Hauptrollen nicht mit den unvergleichbaren Charakterdarstellern Valeria Bruni-Tedeschi und Louis Garrel besetzt und ihnen ein leicht dahinsprudelnder und zugleich sinnstiftender Dialog in den Mund gelegt worden: Sie, in der Rolle einer schlagfertig bis hysterischen Ex-Schauspielerin und italienischen Großindustriellen-Tochter und er, der „beau ténébreux“ mit aneckenden Launen und prekärem Schauspielerleben.

Dabei spielt die tumultuöse Liebesgeschichte auf der Bühne einer beinahe allwissenden Figur: Der Matrone. Verkörpert durch Valerias leiblicher Mutter, Marisa Bruni Tedeschi, hält sie im autobiographisch geprägten Familienporträt die Stricke in der Hand. Unbeirrbar macht sie sich daran, die Schuldenlast der Familie zu tilgen und will dafür das titelgebende Schloss für die Öffentlichkeit zugänglich machen und “den Brueghel” versteigern. Marisas Darbietung, die von Beruf Pianistin und Schauspielerin ist, wirkt unheimlich lebensecht. Am Liebsten möchte man stundenweise ihrem dunkel grollenden Klavierspiel lauschen und dabei ihren agilen über die Tastatur tänzelnden Fingern zusehen.

Un chateau en Italie lässt sich schwer in Worte fassen, er lässt sich viel eher miterleben. Im Abspann wird er Virginio, Valerias tatsächlich an AIDS verstorbenem Bruder, gewidmet. Ihm dichtete die ungleich bekannte Schwester der Regisseurin, Carla Bruni-Sarkozy, das Lied „Salut Marin“. Vielleicht ein guter Einstieg, um sich dieser filmischen Familie bzw. diesem familiären Film anzunähern.

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